Leistung muss bei der Theaterdebatte statt konstruierter Argumentation im Mittelpunkt stehen
- kgrueter
- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Theater- und Konzerthauses entsteht zunehmend der Eindruck, dass Argumentationslinien nicht ergebnisoffen entwickelt werden. Stattdessen scheint bereits alles auf ein bestimmtes Ziel hinauszulaufen. Eine derartige Herangehensweise wird der Tragweite dieser Entscheidung nicht gerecht.
Kann ein möglicher Neubau das gleiche kulturelle und funktionale Leistungsspektrum bieten wie das bestehende Theater- und Konzerthaus, lautet vielmehr die grundlegende Frage, die bislang völlig unbeantwortet bleibt.
Das Theater- und Konzerthaus ist kein beliebiges Gebäude, sondern ein über Jahrzehnte gewachsener kultureller Ort mit vielfältigen Nutzungen, unterschiedlichen Veranstaltungsformaten und hoher Bedeutung für die Stadtgesellschaft. Man darf davon ausgehen, dass jeder Bürger der Stadt „sein Theater-Erlebnis“ hatte. Es geht nicht allein um Flächen oder Baukörper, sondern um Qualität, Vielfalt und die Leistungsfähigkeit der gesamten kulturellen Infrastruktur.
Wer über die Zukunft dieses Hauses entscheidet, muss deshalb transparent darlegen, ob und wie dieses Leistungsspektrum vollständig erhalten werden kann und dem Bürger die emotionale Heimat für Kultur und Veranstaltungen geboten werden kann.
Stattdessen entsteht der Eindruck, dass einzelne Aspekte isoliert betrachtet und Argumentationen so aufgebaut werden, dass sie ein bereits gewünschtes Ergebnis stützen. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass wesentliche Rahmenbedingungen und Folgen bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden.
So bleibt beispielsweise unklar, welche konkreten Erkenntnisse die angekündigte Szenarienstudie liefern soll und welchen Beitrag sie tatsächlich zu einer tragfähigen Entscheidungsgrundlage leisten kann. Ohne eine klar definierte Zielsetzung drohen zusätzliche Zeitverluste, ohne dass die entscheidenden Fragen beantwortet werden.
Auswirkungen auf das Umfeld werden bislang nicht ausreichend betrachtet. Ein Neubau am bestehenden Standort würde erhebliche Parkplatzkapazitäten entfallen lassen – mit direkten Folgen für die Erreichbarkeit des Rathauses sowie für angrenzende Nutzungen wie Hotel- und Gewerbebetriebe. Darüber hinaus bleiben bestehende vertragliche Regelungen weitgehend unbeachtet.
Zudem zeigt die Erfahrung mit anderen öffentlichen Bauprojekten, dass ursprüngliche Kosten- und Zeitplanungen häufig oder, mittlerweile in der Regel, nicht eingehalten werden. Eine Studie der Hertie School, zeigt, dass in den letzten zehn Jahren öffentliche Gebäude durchschnittlich 44 % über Budget fertiggestellt wurden. Die Entwicklung der Kosten bei der Feuerwache in Ohligs, die sich im Verlauf der Planung sogar mehr als verdreifacht haben, ist hierfür ein aktuelles Beispiel.
Gleichzeitig werden bei den geplanten Neubauten der Wachen am Frankfurter Damm und an der Katternberger Straße Leistungen berücksichtigt, deren Notwendigkeit zumindest kritisch hinterfragt werden muss.
Für die SG zukunft. hat der Neubau der Wache an der Katternberger Straße oberste Priorität. Er ist notwendig und muss zügig umgesetzt werden. Eine Verknüpfung mit komplexen Gesamtplanungen rund um den Theaterstandort würde jedoch unnötige Verzögerungen verursachen.
Auch die zeitliche Dimension eines Theaterneubaus wird bislang unterschätzt. Ein solches Projekt würde sich über viele Jahre erstrecken und erhebliche Unsicherheiten sowie Einschränkungen für den laufenden Kulturbetrieb mit sich bringen.
In der Gesamtschau entsteht daher der Eindruck, dass ein bereits gewünschtes Ergebnis im Nachhinein mit entsprechend konstruierten Argumenten unterlegt wird. Dieser Form der Herleitung können wir nicht folgen.
Eine fundierte Entscheidung kann, so die SG zukunft., nur dann getroffen werden, wenn die Frage der Gleichwertigkeit des kulturellen und funktionalen Angebots vollständig, nachvollziehbar und transparent beantwortet ist.
Solange nicht gesichert ist, dass ein Neubau das bestehende Leistungsspektrum in Qualität und Breite ersetzen kann, verbietet sich jede vorschnelle Festlegung.
Die Zukunft unseres Theater- und Konzerthauses darf nicht durch verkürzte oder konstruierte Argumentationslinien bestimmt werden, sondern muss sich an den tatsächlichen Anforderungen und Bedürfnissen der Stadt orientieren.
Kostenvergleiche ohne eine transparente Gegenüberstellung der Leistungen, die den Bürgerinnen und Bürgern künftig zur Verfügung stehen oder verloren gehen, sind weder sachgerecht noch zielführend. Sie führen vielmehr zu Irritationen und verhindern eine ehrliche Debatte über die tatsächlichen Auswirkungen der Entscheidung.
Pressekontakt:
SG zukunft. – Matthias Urban, Pressesprecher
E-Mail: mu@SG-zukunft.de
Telefon: [0175 4358 381]
V. i. S. d. P.: SG zukunft. – Der Vorstand
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